Hessisches Ministerium für Arbeit, Integration, Jugend und Soziales

„Sprachliche Barrieren dürfen keine Chancen verhindern“

Die Hessische Sozialministerin Heike Hofmann hat heute im Hessischen Landtag die Lebensleistungen gehörloser und stark hörgeschädigter Menschen gewürdigt und zugleich zu mehr gesellschaftlicher Teilhabe, Barrierefreiheit und Anerkennung der Deutschen Gebärdensprache aufgerufen.

„Viele gehörlose Menschen waren über Jahrzehnte strukturellen Bedingungen ausgesetzt, die eine vollwertige sprachliche Entwicklung erschwert oder sogar verhindert haben. Diese Erfahrungen sichtbar zu machen und daraus Konsequenzen zu ziehen, ist unsere gemeinsame Verantwortung“, erklärte die Ministerin.

In ihrer Rede erinnerte sie an die Lebensrealität gehörloser Kinder insbesondere in den vergangenen Jahrzehnten. Damals sei die Nutzung der Gebärdensprache vielerorts unterdrückt worden. Betroffene seien gezwungen worden, Lautsprache zu verwenden oder Lippen zu lesen, obwohl ihnen dadurch ein gleichberechtigter Zugang zu Kommunikation oftmals verwehrt geblieben sei.

Fortschritte der vergangenen Jahre

„Die Gebärdensprache ist Sprache, Kultur und Identität. Wer Menschen den freien sprachlichen Zugang nimmt, erschwert nicht nur Kommunikation, sondern auch Bildung, gesellschaftliche Teilhabe und persönliche Entwicklung“, betonte die Ministerin.

Zugleich verwies sie auf Fortschritte der vergangenen Jahre. Seit der Anerkennung der Deutschen Gebärdensprache im Jahr 2002 habe sich vieles verbessert. Dazu gehörten unter anderem das Neugeborenenhörscreening, der Ausbau frühkindlicher Förderangebote, die Weiterentwicklung bilingualer Bildungskonzepte sowie die Professionalisierung der Beratungsstrukturen für Familien.

Fördermittel mehr als verdoppelt

Die Hessische Landesregierung setze sich auf verschiedenen Ebenen dafür ein, gehörlose und hörbehinderte Menschen zu unterstützen. So seien die Fördermittel für die Sozialberatungsstelle für hörbehinderte und gehörlose Menschen in den vergangenen Jahren trotz angespannter Haushaltslage mehr als verdoppelt worden. Zudem zahle Hessen bundesweit die höchsten Leistungen beim Gehörlosen- und Taubblindengeld.

Für das laufende Jahr seien darüber hinaus weitere Maßnahmen geplant, um die Deutsche Gebärdensprache bekannter zu machen und dem bundesweiten Mangel an Gebärdensprachdolmetschenden entgegenzuwirken.

Vollwertiger Zugang zur Deutschen Gebärdensprache ermöglichen

„Sprachzugang ist eine zentrale Frage der Gleichberechtigung, der Barrierefreiheit und der gesellschaftlichen Teilhabe“, sagte die Ministerin. Entscheidend sei insbesondere, Kindern frühzeitig einen vollwertigen Zugang zur Deutschen Gebärdensprache zu ermöglichen sowie Eltern, Betroffene und Fachkräfte umfassend zu unterstützen.

Abschließend dankte die Ministerin Familien, Fachkräften, Verbänden, Dolmetschenden und Lehrenden für ihr Engagement: „Hessen steht für Inklusion, Gleichberechtigung und Chancengerechtigkeit. Wir lernen aus der Vergangenheit und gestalten eine Zukunft, in der sprachliche Barrieren keine Chancen mehr verhindern.“